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Lost in France

Trotz zehnjähriger Drehpause ist Mr. Bean urlaubsreif

Von Petra  Schönhöfer

Auf Eis hat er lange gelegen, Rowan Atkinsons schlaksiger und knurriger Mr. Bean. Oder soll man sagen: im britischen Dauerregen? Denn genau dort beginnt zehn Jahre nach BEAN – DER ULTIMATIVE KATASTROPHENFILM die nächste Odyssee des schweigsamen Sonderlings. In einer Gemeindetombola gewinnt Bean den ersten Preis, eine Reise an die Côte d’Azur, und wer den englischen Sommer kennt, versteht seinen frenetischen Jubel darüber. Also nichts wie die Videokamera eingepackt und ab in den Zug Richtung Cannes.
Wenn’s doch nur so einfach wär’! Der Witz liegt in der Krise, das ist unumstößliche Komikerweisheit, wird auf allen Clownschulen gelehrt und auch der Film MR. BEAN MACHT FERIEN macht darin keine Ausnahme. Natürlich muss Bean viele Hindernisse überwinden und Verwicklungen überstehen, ehe er sich wie Gott in Frankreich fühlen darf. Vom Verpassen des Zugs über den Verlust all seiner Habe bis zur falschen Verdächtigung als Kindsentführer reihen sich die Missgeschicke in einer Art burleskem Roadmovie aneinander.
Statt Teddy hat Bean jetzt einen kleinen Junge und eine hübsche Frau an seiner Seite. Max Baldry ist der verloren geglaubte Stéphan und macht mit seinem Russisch Beans Sprachverwirrung komplett.  Emma de Caunes (u. a. THE SCIENCE OF SLEEP: ANLEITUNG ZUM TRÄUMEN) erobert das Herz des komischen Kauz im Sturm, als sie ihn beim Trampen mit dem gleichen Mini-Model einholt, dass er in England mit Vorhängeschloss abgestellt hat. Trotzdem belässt es der Film klugerweise dabei, die zarten Knospen einer keimenden Liebe nur mit Blicken, zarter Melodei und im Weichzeichner glühenden Wangen anzudeuten. Denn dass Mr. Bean mit einer koketten Französin häuslich werden möchte, wäre zu weit gedacht. Ein viel simpleres Verlangen treibt die Figur an und rettet den Film so vor jedem überflüssigen psychologischen Überbau. Beans Mission lautet: Den Strand sehen und schwärmen.
MR. BEAN MACHT FERIEN ist mehr als eine Fortsetzung. Genau genommen ist sie gerade das nicht. Abgesehen davon, dass nun Steve Bendelack statt Mel Smith die Regie übernommen hat, haben sich Autoren, Produzenten und Darsteller auch bewusst dazu entschlossen, weder stilistisch noch erzählerisch den Pfad des ersten Bean-Films einzuschlagen. Bendelack orientiert sich wieder mehr an der TV-Serie - weshalb man als Zuschauer nicht selten den Eindruck hat, in der Episodenhaftigkeit des Films den Zusammenschnitt vieler vertrauter Sketche zu erkennen.
Statt der Aufgekratztheit einer amerikanischen Familienkomödie wollte man dem Projekt einen europäischen Anstrich geben, der dann gleich in den weniger bonbonbunten als naturfarbigen Bildern klar zu erkennen ist. Außerdem sollte Bean wieder nahezu wortlos agieren. Die großen Komödien der Stummfilmzeiten dienten dem Team als Vorbild, zur Vorbereitung schaute man sich Buster Keaton, Charlie Chaplin und Karl Valentin an. Konsequent wurde entschieden, dass in dem Film nur Fremdsprachen außer Englisch gesprochen werden sollten. Das sorgt schließlich für den running gag, dass Mr. Bean sich nur mit drei Worten verständigen kann. Stolz führt er immer wieder sein vermeintliches Französisch vor:  oui, non und, nicht minder beherzt, gracias.
MR. BEAN MACHT FERIEN hält ein bisschen mehr bereit als eine halbstündige TV-Show, führt zu netten Aha-Effekten in der Auseinandersetzung mit hartnäckigen Frankreich-Klischees und den  wenig schmeichelhaften Anspielungen auf das Filmgeschäft. Willem Dafoe ist sagenhaft komisch in seiner Parodie eines prätentiösen Arthouse-Regisseurs, der den langweiligsten Film aller Zeiten gedreht hat und vor Beans verwackelten Urlaubsschnappschüssen kapitulieren muss. Aber als Mr. Beans Traum im warmen Abendlicht zu Charles Trenets Chanson LA MER endlich in Erfüllung geht, hat man eine unaufgeregte kleine Bean-Komödie gesehen, die vor allem wegen ihrer gewohnten Mischung aus schrägem Slapstick, unappetitlichen  Anekdoten und liebenswerter Naivität Freude bereitet. 

Mr. Bean macht Ferien
Regie: Steve Bendelack
Mit: Rowan Atkinson, Emma de Caunes, Willem Dafoe
England 2006
Start: 29. März 2007

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